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Erster Profivertrag: Was du in den ersten 6 Monaten finanziell regeln solltest


Der erste Profivertrag ist ein Wendepunkt. Plötzlich gibt es ein richtiges Gehalt — oft mehr als die Familie insgesamt verdient, manchmal mehr als erwartet, fast immer mehr als man weiß wohin damit. Genau in diesem Moment werden Weichen gestellt die jahrelang wirken. Wer die ersten sechs Monate richtig nutzt, legt eine Basis die den gesamten Rest der Karriere trägt. Wer sie verschläft, holt das nur schwer auf.


Warum die ersten Monate so entscheidend sind

Ein Profisportler hat ein Karrierefenster von im Schnitt zehn bis fünfzehn Jahren. In dieser Zeit entsteht das gesamte Lebenseinkommen.


Danach ist das erste aktive Einkommen weg — und was übrig bleibt, ist das was in dieser Zeit aufgebaut wurde.


Das klingt abstrakt wenn man 19 oder 22 ist und gerade den ersten Vertrag unterschrieben hat. Aber es ist die Realität. Und die Sportler die das früh verstehen, sind später in einer fundamental anderen Position als die die es ignoriert haben.


Die ersten sechs Monate sind dabei besonders wichtig — nicht weil danach nichts mehr geändert werden kann, sondern weil in dieser Phase die Gewohnheiten entstehen die den Rest der Karriere prägen.


Schritt 1: Steuern verstehen — sofort

Das erste große Thema ist die Steuer. Viele junge Profisportler haben zum ersten Mal ein substanzielles Einkommen und keine Ahnung was davon tatsächlich bei ihnen bleibt.


Wichtige Grundlagen die sofort geklärt werden müssen:

Welche Steuerklasse gilt — und ist sie optimal für die aktuelle Situation? Gibt es Werbungskosten die abgesetzt werden können — Trainingsausrüstung, Fahrtkosten, Agentenhonorare? Wie werden Prämien und Bonuszahlungen steuerlich behandelt? Gibt es steueroptimierte Möglichkeiten der Altersvorsorge die sofort genutzt werden sollten?


Ein Steuerberater der Sportler kennt ist hier unverzichtbar — kein allgemeiner Steuerberater, sondern jemand der die Besonderheiten des Sportlereinkommens kennt.


Schritt 2: Absicherung aufbauen — bevor etwas passiert

Verletzungen gehören zum Profisport. Das weiß jeder Sportler. Aber die wenigsten haben sich gefragt was finanziell passiert wenn eine Verletzung die Karriere unterbricht oder beendet.

Zwei Absicherungen sind für Profisportler nicht optional:


Berufsunfähigkeitsversicherung für Sportler:

Eine klassische BU sichert den ausgeübten Beruf ab — also den Profivertrag und die damit verbundene Einkommenshöhe. Wichtig: Je jünger und gesünder, desto günstiger und einfacher abzuschließen. Wer wartet bis die erste Verletzung da ist, zahlt mehr oder bekommt Ausschlüsse. Im Idealfall kümmerst Du dich schon vor dem profivertrag darum. Viele Versicherer nehmen keine Sportprofis an.


Invaliditätsversicherung:

Für Sportler gibt es spezifische Invaliditätsversicherungen die bei dauerhafter sportlicher Einschränkung leisten — unabhängig davon ob man theoretisch noch einen anderen Beruf ausüben könnte. Diese Absicherung ist für Profisportler oft wichtiger als eine klassische BU.


Schritt 3: Erste Sparstruktur einrichten

Das dritte was in den ersten sechs Monaten geregelt werden muss ist eine einfache aber konsequente Sparstruktur. Nicht kompliziert — aber diszipliniert.


Die Grundregel: Mindestens 20 bis 30 Prozent des Nettoeinkommens werden automatisch gespart bevor sie ausgegeben werden können.


Nicht freiwillig, nicht wenn am Monatsende noch etwas übrig ist — automatisch, am ersten des Monats.


Wie das konkret aussieht hängt von der individuellen Situation ab.

Mögliche Bausteine:

  • ETF-Depot für langfristigen Vermögensaufbau

  • Rürup-Rente für steueroptimierte Altersvorsorge

  • Liquiditätsreserve von drei bis sechs Monatsausgaben als Puffer

Wichtig: Die Sparstruktur muss zur Karrierephase passen. Ein 19-jähriger Bundesligaspieler braucht eine andere Struktur als ein 28-jähriger Nationalspieler auf dem Höhepunkt seiner Karriere.


Schritt 4: Klare Verantwortlichkeiten schaffen

Profisportler haben oft mehrere Berater gleichzeitig — Manager, Spielerberater, Steuerberater, manchmal einen Finanzberater. Das Problem: Jeder kümmert sich um seinen Bereich, aber niemand hat den Gesamtüberblick.


Der Manager verhandelt den Vertrag. Der Steuerberater macht die Steuererklärung. Der Finanzberater verkauft vielleicht ein Produkt. Aber wer stellt sicher dass alles zusammenpasst? Wer prüft ob die Absicherung zur Einkommenssituation passt? Wer denkt schon heute an das Leben nach dem Sport?


In den ersten sechs Monaten sollte klar sein wer diese koordinierende Rolle übernimmt — und diese Person muss unabhängig sein, also nicht an Produktverkäufe gebunden.


Die häufigsten Fehler junger Profisportler


Fehler 1: Alles ausgeben

Das erste große Gehalt fühlt sich unbegrenzt an. Neues Auto, neue Wohnung, großzügig gegenüber Familie und Freunden. Das ist menschlich — aber es ist der schnellste Weg in die finanzielle Instabilität. Wer in den ersten Jahren alles ausgibt, hat später nichts aufgebaut.


Fehler 2: Dem falschen Berater vertrauen

Junge Sportler mit einem Profivertrag sind attraktiv für unseriöse Berater. Wer hohe Provisionen verdient, hat kein Interesse daran, einfache und günstige Lösungen zu empfehlen. Finger weg von Beratern die drängen, komplizierte Produkte anbieten oder keine Transparenz über ihre Vergütung haben.


Fehler 3: Das Karriereende ignorieren

Mit 20 denkt niemand an das Karriereende. Aber der Sportler der mit 35 aufhört und kein Vermögen aufgebaut hat, steht vor einer echten Herausforderung. Der Sportler der früh angefangen hat zu sparen, hat mit 35 bereits eine solide Basis — und deutlich mehr Optionen.


Fehler 4: Die Familie nicht einbeziehen

Viele junge Sportler kommen aus Familien die finanziell nicht wohlhabend sind. Der erste Profivertrag verändert die Familiendynamik. Eltern oder Geschwister die Unterstützung erwarten, gut gemeinte aber schlechte Ratschläge, Druck großzügig zu sein — das sind reale Herausforderungen. Eine klare Struktur schützt auch davor.


Was Eltern jetzt wissen sollten

Wenn das Kind den ersten Profivertrag unterschreibt, sind Eltern oft die ersten Ansprechpartner — auch in finanziellen Fragen. Aber gut gemeinte Ratschläge aus dem familiären Umfeld ersetzen keine professionelle Begleitung.


Die wichtigste Rolle die Eltern spielen können: Dafür sorgen dass das Kind die richtigen professionellen Ansprechpartner hat. Nicht die günstigsten, nicht die bekanntesten — die richtigen.


Fazit

Die ersten sechs Monate nach dem ersten Profivertrag sind die wichtigsten sechs Monate der finanziellen Karriere eines Sportlers. Steuern verstehen, Absicherung aufbauen, Sparstruktur einrichten, klare Verantwortlichkeiten schaffen — wer das früh angeht, schafft eine Basis die den gesamten Rest der Karriere trägt.


Das Karrierefenster ist begrenzt. Die Entscheidungen die jetzt getroffen werden, wirken jahrzehntelang.



Georg Böttcher ist Certified Financial Planner® und begleitet Profisportler und ihre Familien von den ersten Schritten im Profisport bis zur Planung nach dem Karriereende. Das erste Gespräch ist kostenlos — persönlich oder per Videocall.

 
 
 

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