Altersvorsorge-Depot statt Riester: Was die Reform bedeutet — und warum es keine Entscheidung von der Stange ist
- Georg Böttcher
- 6. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Die private Altersvorsorge in Deutschland wird neu aufgestellt.
Mit dem Altersvorsorgereformgesetz hat die Bundesregierung den Weg für das neue Altersvorsorge-Depot geebnet — und damit die größte Reform der geförderten Altersvorsorge seit der Einführung der Riester-Rente angestoßen.
Für viele Menschen stellt sich jetzt eine konkrete Frage: Soll ich meinen Riester-Vertrag behalten, wechseln oder kündigen?
Die ehrliche Antwort: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Und genau das ist das Problem mit den meisten Ratschlägen die derzeit kursieren.
Was sich konkret ändert
Das neue Altersvorsorge-Depot ist eine eigenständige Produktkategorie — ein gefördertes Depot ohne verpflichtende Garantievorgaben. Das Ziel: mehr Renditechancen durch Kapitalmarktanlagen, weniger Bürokratie, mehr Flexibilität.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
Depots ohne Garantievorgaben werden als neue Kategorie eingeführt
Wer Sicherheit bevorzugt, kann weiterhin Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie wählen
Die steuerliche Förderung soll perspektivisch auf breitere Bevölkerungsgruppen ausgedehnt werden — ausdrücklich auch auf Selbstständige
Für Standardprodukte gilt ein Kostendeckel von 1,0 Prozent
Bestehende Riester-Verträge können weitergeführt, angepasst oder unter bestimmten Voraussetzungen in neue Lösungen überführt werden
Das ist ein echter Reformschritt. Die Öffnung für Selbstständige ist dabei besonders relevant — für Ärzte, Juristen und Unternehmer, die bislang von der Riester-Förderung weitgehend ausgeschlossen waren.
Was die Reform nicht automatisch löst
Die Reform schafft neue Möglichkeiten — aber keine automatisch besseren Entscheidungen. Das Altersvorsorge-Depot bietet höhere Renditechancen, übernimmt aber keine Garantie für eine lebenslange Verrentung. Wer das Langlebigkeitsrisiko absichern möchte — also das Risiko, länger zu leben als das Kapital reicht — braucht dafür weiterhin einen eigenen Baustein.
Viele bestehende Riester-Verträge haben Eigenschaften die in der aktuellen Debatte zu schnell abgeschrieben werden: Beitragsgarantien, lebenslange Rentenzahlungen, teils attraktive Altkonditionen. Wer heute 55 ist und in zwölf Jahren in Rente geht, hat eine andere Ausgangslage als jemand der mit 30 neu anfängt. Ein pauschales „Riester ist veraltet, Depot ist besser" wird dieser Komplexität nicht gerecht.
Was das für Ärzte, Juristen und Unternehmer bedeutet
Für meine Zielgruppen ist die Reform aus einem konkreten Grund besonders relevant: Selbstständige — also niedergelassene Ärzte, Kanzleigründer, Unternehmer — waren bislang von der Riester-Förderung weitgehend ausgeschlossen. Das ändert sich.
Das bedeutet aber nicht, dass das Altersvorsorge-Depot für jeden Selbstständigen automatisch der richtige Baustein ist. Die Frage ist immer: Wie fügt sich dieser Baustein in die Gesamtstrategie ein?
Was leistet bereits das Versorgungswerk — bei Ärzten und Juristen oft der Hauptbaustein der Altersvorsorge?
Welche Lücken entstehen, und wie werden sie geschlossen?
Wie viel Kapitalmarktschwankung ist emotional und finanziell verkraftbar?
Diese Fragen lassen sich nicht mit einem Produktvergleich beantworten.
Sie erfordern eine strukturierte Finanzplanung die alle Bausteine zusammendenkt.
Was jetzt sinnvoll ist
Wer einen bestehenden Riester-Vertrag hat, sollte diesen nicht überstürzt kündigen oder wechseln. Zunächst lohnt sich eine nüchterne Bestandsaufnahme:
Wie hoch sind die aktuellen Kosten des Vertrags?
Wie hat er sich entwickelt?
Welche Garantien sind darin enthalten — und wie wertvoll sind diese im individuellen Vorsorgemix?
Wer bislang keine geförderte private Altersvorsorge hat, sollte das neue Altersvorsorge-Depot ernsthaft prüfen — insbesondere wenn er Selbstständiger ist und bislang aus der Riester-Förderung herausgefallen war.
In beiden Fällen gilt: Eine Entscheidung die auf Basis von Schlagzeilen oder Produktprospekten getroffen wird, ist selten die richtige. Eine Entscheidung die auf Basis eines vollständigen Finanzplans getroffen wird — mit Szenarien, Zahlen und einem klaren Bild der Gesamtsituation — hält stand.
Fazit
Das Altersvorsorge-Depot ist ein wichtiger Reformschritt — mehr Flexibilität, mehr Renditechancen, mehr Menschen eingeschlossen. Aber es ist kein Universalmittel und keine Entscheidung die pauschal für alle gilt.
Wer jetzt handeln möchte — ob mit bestehendem Riester-Vertrag oder ohne — sollte den nächsten Schritt nicht alleine gehen. Eine strukturierte Analyse der individuellen Situation zeigt, welche Option wirklich passt.
Georg Böttcher ist Certified Financial Planner® und begleitet Ärzte, Juristen, Unternehmer und Profisportler bei allen Fragen der Altersvorsorge und Finanzplanung. Das erste Gespräch ist kostenlos — persönlich in Hannover oder per Videocall deutschlandweit.



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